Schneiden, kleben, schreiben ...
Wie Collagen Einfälle für Geschichten und Gedichte beflügeln
Für eine Collage als Inspiration braucht es nicht viel, schon gar keine Vorkenntnisse oder gar Talent: Ein Zufallswort, ein Zufallsbild, Schere und Klebstift – und schon purzeln die Ideen für Gedichte oder Geschichten von ganz alleine.
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Auf der Jahrestagung 2024 des Segeberger Kreises – Gesellschaft für Kreatives Schreiben haben wir uns in unserer Gruppe geziehlt dem Zusammenspiel von Collage und Schreiben gewidmet.
Die Leitfragen:
- Welche Texte entstehen nach Collagen?
- Welche Collagen entstehen nach Texten?
- Wie können sich Bild und Text gegenseitig stärken?
Und so ging es los: Wir kritzelten spontan Worte auf Zettelchen und zogen blind ein Wort. Dazu machten wir uns auf die Suche nach einem Bild, einem Collage-Motiv. Find- und Klebezeit: 10 Minuten.
Danach ging es anders herum: Wir gestalteten Collagen und fügten Wortschnipsel ein – ebenfalls wieder in 10 Minuten.
Collagen passen in jeden Alltag: Ein Wort, ein Bild, Schere und Klebstift. Das reicht, um uns zu Gedichten oder Geschichten zu inspirieren.
Die Faszination von Collage und Text liegt vor allem im Fragmenthaften, Surrealen, das nur die Collage transportieren kann. In ihr können wir Bedingungen des Lebens umdeuten und in Ergänzung mit Texten ihr eine Poesie übertragen, die wir selten in anderen Kunstformen finden.
Links meine Collage, rechts die „Antwort“. Beie Bilder koorespondieren in Farbe und Atmosphäre.
Unser nächster Schritt: Wir machten aus kleinen Karteikarten Artist Trading Cards (ATC) und schenkten sie unserer Sitznachbarin, die darauf mit einer ebensolchen ATC-Collage „antwortete“. So entstand ein Dialog der Collagen, den wir mit Texten begleiteten.
Die inspirierende Wechselwirkung zwischen Collage und Schreiben haben viele Schriftstellerinnen und Autoren erlebt. Unter anderem hat Peter Weiß neben dem Schreiben künstlerische Collagen geklebt, Wolfgang Hildesheimer collagierte mit Seiten aus Kunstbänden und die Wortschnipsel-Collagen von Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller sind so berühmt wie sie selbst.
Als besonderes Erlebnis empfand ich die Gestaltung eines Tryptichons aus Collage, Geschichte und Wort-Schnipseln. Wie ein Altar verklebten wir die Rücken, so dass sich die „Flügel“ aufklappen ließen.
Ein Tryptichon mit Wortschnipsel-Collage von mir. „Keinen Anfang wie Phoenix ihr Übriggebliebenen.“
Am Anfang der Arbeit zum Tryptichon stand – ganz im Sinne der Surrealisten – ein Freewriting, das mich auf die Fährte eines Kreuzes führte. Alle von uns gestalteten Collagen legten wir verdeckt auf einen Tisch und zogen für den zweiten Teil der dreiteiligen Arbeit eine neue Collage. Sie inspirierte uns zu Worten, Geschichten, Gedichten oder einer Text-Meditation.
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Auch die Textbögen legten wir verdeckt auf den Tisch und zogen sie wieder. Dann folgte der Wortschnipsel-Teil, inspiriert von Collage und Text. Am Ende standen elf Tryptichons, jedes einzigartig gestaltet und erschrieben. Dabei zeigte sich: Der einen fiel es leichter, mit einer Idee auf Bilder- und Motivsuche zu gehen, die andere fühlte sich in der Freiheit ohne Vorgabe wohler.
Im Freewriting kam mir die Idee zu einem collagierten Kreuz: Ein „Altarbild“ in der Mitte des Tryptichons.
Ein weiteres Tryptichon mit meinem Text rechts.
Lust auf Collage?
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